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Bewusstsein für CSR fördern: motivieren statt regulieren

Die im Wesentlichen durch den Wandel der sozioökonomischen Strukturen und die Globalisierung hervorgerufene Notwendigkeit zu grundlegenden Reformen muss einhergehen mit der Fragestellung, wie Verantwortung zukünftig in der Gesellschaft verteilt werden soll. In Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten der Freiraum für eigenverantwortliches gesellschaftliches Handeln immer weiter durch verbindliche gesetzliche Regelungen eingeschränkt worden. Nicht zuletzt die abnehmende Finanzkraft des Staates macht es erforderlich, dass neben der  höheren Eigenverantwortung des Bürgers auch Unternehmen als wesentliche Akteure des Wirtschaftssystems wirtschaftliche, soziale und ökologische Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen und als Teil ihres ökonomischen Handelns verstehen.
Verantwortliches Wirtschaften ist für viele große und mittelständische Unternehmen in Deutschland eine Selbstverständlichkeit und nicht zuletzt Ausdruck der Sozialen Marktwirtschaft. Die vielfältigen gesellschafts- aber auch unternehmenspolitischen Potenziale von CSR sind aber bisher nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft. Damit diese zur Entfaltung kommen können, sollte CSR marktwirtschaftlich als Wettbewerb um die beste Lösung organisiert sein. Bestehende Leitlinien insbesondere für multinationale Unternehmen setzen ebenso einen Referenzrahmen für unternehmerisches Handeln wie sich herausbildende Reportingstandards wie z.B. die Global Reporting Initiative und die nationalen gesetzlichen Vorgaben insbesondere im sozialen und ökologischen Bereich. Hierdurch wird das spezifische deutsche Profil von CSR beschrieben.

Wie kann die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen durch die Politik gefördert werden? Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass eine aktivierende und motivierende Rolle des Staates die Unternehmen beflügeln kann. Diese Erfahrungen zeigen, dass es sinnvoll ist, CSR als marktwirtschaftliches Konzept, als unternehmerischen Wettbewerb um die beste Lösung zu verstehen. Dann können sich die unternehmenspolitischen Potenziale entfalten - und damit wird auch der gesellschaftspolitische Nutzen zum Tragen kommen.

Handlungsfelder für die Bundesregierung bestehen insbesondere darin, die Rahmenbedingungen für eigenverantwortliches Handeln der Unternehmen zu verbessern. Hierzu sollte das Thema explizit auf die politische Agenda gesetzt werden, sollten die in verschiedenen Fachressorts verteilten Teilzuständigkeiten gebündelt und stärker als bisher koordiniert werden. Ähnlich wie in einigen Ländern der europäischen Gemeinschaft, in denen CSR einen deutlich höheren Stellenwert hat, sollte ein federführendes Referat im Bundesministerium für Wirtschaft als Stabsstelle beim Minister bzw. Staatssekretär eingerichtet werden. Aufgaben könnten sein:
Einrichtung einer Informationsplattform für Unternehmen mit Schwerpunkt auf dem Bereich der mittelständischen Unternehmen mit dem Ziel,

  • die öffentliche Aufmerksamkeit für dieses Thema zu verbessern und gute Unternehmenspraxis zu verbreiten;
  • Entwicklung von benchmarking-Diensten, um innovative Praxis, Glaubwürdigkeit und Transparenz zu fördern;
  • Bund-Länder-Koordination (besonderer Fokus: Stärkung der kommunalen Ebene);
  • Einbindung der Verbände und Stakeholder.

Daneben sollte ein wichtiges Augenmerk auf der Förderung von Mittlerstrukturen zwischen Wirtschaft und dem Nonprofitbereich liegen, damit unternehmerisches Engagement insbesondere im sozialen Bereich effizienter mit gesellschaftlichen Bedürfnissen in Einklang gebracht werden kann.
Die Bertelsmann Stiftung möchte den Dialog zwischen Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft über CSR intensivieren und die Akteure zu partnerschaftlichen Lösungsansätzen motivieren. Dialogforen, Publikationen und eine hochrangige CSR-Konferenz sind Formate, mit denen diese Projektziele verwirklicht werden sollen.


Ansprechpartner
Peters Anna Peters
Telefon:
+49 5241 81-81401
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