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Keine Integration ohne Partizipation

Zwei Personen miteinander im Gespräch.

Der auf dem nationalen Integrationsgipfel im Juli 2007 verabschiedete Integrationsplan ist ein Aufbruchssignal für die deutsche Einwanderungsgesellschaft. Die Botschaft ist trotz der über 200 Seiten einfach und klar: Integration ist eine Herausforderung für alle und sie kann nur gelingen, wenn sich Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft und nicht zuletzt die Zuwanderer selbst aktiv an der Lösung der anstehenden Fragen beteiligen.

Das Angebot von Partizipation und Dialog auf gleicher Augenhöhe seitens der Politik war die Stärke des Prozesses, der zum nationalen Integrationsplan führte. Bisher, so unterstrich der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet vor dem ersten Integrationsgipfel 2006, war es typisch für Deutschland, dass bei integrationspolitischen Entscheidungen zwar über, aber nicht mit Einwanderern gesprochen wurde. Diesen neuen Ansatz konnte auch der Boykott des zweiten Integrationsgipfels durch verschiedene Migrantenverbände nicht in Frage stellen - im Gegenteil: wer Partizipation ernsthaft will, muss auch andere Meinungen zulassen und Konflikte aushalten.

Jahrzehntelang hat sich unsere Gesellschaft für ihre Zuwanderer nur am Rande interessiert: als Arbeitskräfte in bestimmten Feldern waren sie in den 60er Jahren willkommen, aber ihre verstärkte Arbeitslosigkeit seit den 70er Jahren, der Misserfolg ihrer Kinder im deutschen Schulsystem oder ihr Ausschluss von den Wahlen wurde bis vor kurzem nicht als Herausforderung für die Gesamtgesellschaft gesehen.

Das hat sich in den letzten Jahren gründlich geändert. Allmählich mausert sich Deutschland zum veritablen Integrationsland. Dabei gibt es auf die Frage, wie Integration erfolgreich gelingen kann, nur eine Antwort: durch Partizipation - also durch die gleichberechtigte Teilhabe der Zuwanderer und ihrer Kinder an den Chancen, die diese Gesellschaft bietet. Dass Partizipation der Schlüsselfaktor erfolgreicher Integration ist, haben die beiden bundesweiten Wettbewerbe der Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit dem Bundespräsidenten und dem Bundesinnenministerium eindrücklich gezeigt.

Die Integrationsdefizite in Deutschland sind trotz des neuen positiven Klimas nach wie vor gravierend, insbesondere im Bildungsbereich und auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Auch im gesellschaftlich-kulturellen Bereich gibt es noch Abschottungstendenzen auf beiden Seiten. Es fehlt immer noch die Erkenntnis aller Beteiligten, Deutschland als gemeinsame  Heimat wahrzunehmen und zu begreifen, dass es nicht auf die Herkunft des Einzelnen, sondern auf die gemeinsame Zukunft ankommt, wie der verstorbene Bundespräsident Johannes Rau in seiner visionären ersten Berliner Rede Anfang des Jahrtausends sagte. Die bestehenden Partizipations- und Teilhabedefizite von Zuwanderern sind eine schwere Hypothek für die Zukunft Deutschlands. Damit gehen Ressourcen und Potentiale verloren und es kommt zu sozialen Spannungen. Nicht-Integration kann sich die Gesellschaft angesichts der ökonomischen Globalisierung und des demografischen Wandels nicht weiter leisten. Experten beziffern die gesellschaftlichen Kosten der unzureichenden Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern  auf jährlich über 16 Mrd. Euro in Form von Steuerausfällen, nicht geleisteten Sozialbeiträgen und Transferleistungen (vgl. im Downloadbereich: BASS-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung).

Deutschland braucht neue Rahmenbedingungen für die Integration, Teilhabe  und Partizipation von Zuwanderern. Grundlage für das neue Miteinander von Zuwanderern und Einheimischen ist die Verfassung, die Freiheit und Vielfalt garantiert, aber auch einen Minimalkonsens gemeinsamer Werte beinhaltet. Ein wichtiger Ort gesellschaftlicher Partizipation sind die Migrantenvereinigungen: sie erfüllen zentrale integrative Funktionen. Als Interessenvertretung bieten sie den Zuwanderern neben Orientierung und Unterstützung auch die Möglichkeit, untereinander und mit der Aufnahmegesellschaft in Kontakt zu treten. Jahrzehntelang fristeten diese Migrantenorganisationen ein Schattendasein. Mittlerweile haben Politik und Gesellschaft ihre Bedeutung als "Brückenbauer der Integration" erkannt. Die Bertelsmann Stiftung will die integrative Arbeit der Migrantenorganisationen mit dem Leadership-Programm für ihre jungen Führungskräfte fördern (siehe Projekte).


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